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03.07.2026

Wie Schweizer Unternehmen Teil internationaler Grossprojekte werden

So begleitet die SERV Unternehmen auf internationale Märkte

Seit Anfang 2026 trägt die SERV die Gesamtverantwortung für das Mandat Grossinfrastrukturprojekte (GIP) des Bundes. Damit unterstützt sie Schweizer Exportunternehmen gezielt beim Zugang zu internationalen Infrastrukturvorhaben. Im Interview erklärt Christian Hendriks, Leiter des GIP-Teams der SERV, wie Unternehmen von Marktinformationen, internationalen Netzwerken und Finanzierungskompetenz profitieren können.

Herr Hendriks, wie profitieren Exportunternehmen vom GIP-Mandat?

Das GIP-Mandat erleichtert Schweizer Unternehmen den Zugang zu internationalen Grossprojekten. Wir identifizieren frühzeitig Chancen, vernetzen relevante Akteure und unterstützen Unternehmen dabei, sich strategisch in Projekten zu positionieren. Die SERV fungiert als zentrale Drehscheibe des «Team Switzerland Infrastructure» und koordiniert die Zusammenarbeit der beteiligten Partner.

Welchen Mehrwert schafft die SERV dabei?

Im «Team Switzerland Infrastructure» bündeln wir die Stärken der Verbände Swissmem, Swissrail und suisse.ing, der Schweizer Organisation für Exportförderung und Standortpromotion S-GE und verschiedenen Bundesstellen. Unternehmen profitieren von verlässlichen Marktinformationen, kurzen Wegen und einem koordinierten Zugang zu internationalen Infrastrukturvorhaben. Gleichzeitig bietet die SERV mit ihrer Risikoabsicherung zusätzliche Sicherheit – besonders in anspruchsvollen Märkten.

Wo sehen Sie aktuell die grössten Chancen für Schweizer Exporteure?

Besonders interessant sind derzeit Lateinamerika, Asien sowie Afrika und der Nahe Osten. Dort entstehen zahlreiche Infrastrukturprojekte in Bereichen wie Energie, Transport und Wasser. Diese Märkte bieten grosse Chancen, erfordern aber auch ein gutes Verständnis der lokalen Rahmenbedingungen. Genau dabei unterstützen wir die Unternehmen.

Wie unterstützt das «Team Switzerland Infrastructure» Unternehmen beim Marktzugang?

Wir stellen unser Netzwerk zur Verfügung und schaffen Zugänge zu wichtigen Akteuren entlang der Wertschöpfungskette.

Besonders pflegen wir den Kontakt zu internationalen Generalunternehmen, sogenannten EPCs. Sie planen und realisieren Grossprojekte und entscheiden oft über die Auswahl von  Lieferanten.

Wie profitieren Unternehmen konkret davon?

Wer frühzeitig von Projekten erfährt, kann sich besser positionieren. Deshalb setzen wir auf unsere Infrastruktur-Expertinnen und -Experten vor Ort. Sie beobachten Projekte, liefern Marktinformationen aus erster Hand und bringen Schweizer Unternehmen mit relevanten Ansprechpartnern zusammen.

Das schafft besonders in anspruchsvollen Märkten einen konkreten Mehrwert.

Haben Sie Beispiele, wie Geschäftschancen entstehen können?

Selbstverständlich, zum Beispiel besuchte im vergangenen Jahr eine brasilianische Delegation die Schweiz, um passende Infrastrukturlösungen und potenzielle Schweizer Lieferanten für ein geplantes Infrastrukturprojekt kennenzulernen. 

Wir organisieren ausserdem Veranstaltungen im In- und Ausland, bei denen wir relevante Akteure aus Politik und Wirtschaft einladen, um ihnen Schweizer Lösungen aus dem Infrastruktursektor zu präsentieren. 

Zudem führen wir Fact-Finding-Missionen durch, bei denen Unternehmen vor Ort potenzielle Partner, Investoren oder Behördenvertreter treffen. In Indien konnten wir so institutionelle Kontakte aufbauen, aus denen kürzlich ein Auftrag für eine Machbarkeitsstudie entstand. Solche Beispiele zeigen, wie aus gezielter Vernetzung konkrete Projekte werden.

Welche Resultate hat die SERV bereits erzielt?

Allein 2025 konnten über das GIP-Netzwerk fünf Grossinfrastrukturprojekte mit einem Gesamtauftragswert von über 500 Millionen Franken realisiert werden. Rund 50 Schweizer Unternehmen waren daran beteiligt. Das zeigt, dass Schweizer Lösungen international gefragt sind und das GIP-Mandat Wirkung entfaltet.

Mehr über die Grossinfrastrukturprojekte-Strategie der SERV erfahren

Spielt die Finanzierung bei Grossprojekten auch eine Rolle?

Die spielt sogar eine zentrale Rolle. Als Exportrisikoversicherung verbindet die SERV Marktzugang mit Finanzierungslösungen. Das heisst konkret: Um den Projektzuschlag zu erhalten, muss das EPC  häufig attraktive Finanzierungslösungen für den Käufer anbieten. Mit einer SERV-Versicherung ist das möglich. Die SERV profitiert vom AAA-Rating der Schweiz. Dank diesem Rating wird das Risiko für Kreditgeber deutlich reduziert, was die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Angebote erhöht.

Was bedeutet das für Schweizer KMU?

Gerade KMU verfügen oft über hochspezialisierte Lösungen, haben aber nicht immer die Ressourcen, um internationale Grossprojekte eigenständig zu erschliessen. Wir helfen ihnen dabei, Chancen zu identifizieren, Kontakte aufzubauen und Finanzierungshürden zu überwinden. So entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten – unabhängig von der Unternehmensgrösse.

Welchen Tipp geben Sie Exportunternehmen?

Nutzen Sie die Möglichkeiten, die das «Team Switzerland Infrastructure» bietet und kommunizieren Sie klar Ihre konkreten Interessen. Wer sich aktiv einbringt, kann seine Kompetenzen sichtbar machen und wertvolle Kontakte knüpfen. Wir unterstützen Sie dabei, Chancen frühzeitig zu erkennen und den Zugang zu internationalen Projekten zu erleichtern.

Mehr über das «Team Switzerland Infrastructure» erfahren

Christian Hendriks, Leiter des GIP-Teams der SERV