Ein Türöffner für Gilgen Door Systems


Die Société du Grand Paris verlangt von ihrem Schweizer Lieferanten, Gilgen Door Systems AG, eine Bondgarantie im sechsstelligen Bereich bei einer Laufzeit von über fünf Jahren. Wie kann der Schweizer Exporteur diesen Auftrag abwickeln und dennoch seine Liquidität für andere Projekte freihalten?

31.03.2021

In Paris entsteht gerade das grösste Infrastrukturprojekt Europas: Es handelt sich um den «Grand Paris Express», betrieben durch die eigens dafür gegründete Société du Grand Paris. Dabei soll das bestehende Pariser U-Bahnnetz um 200 Kilometer vergrössert und durch vier zusätzliche Linien erweitert werden. Bis 2030 werden so an 68 Bahnhöfen jeden Tag rund 2 Millionen Passagiere transportiert.

Ein verlässlicher Partner

Die Gilgen Door Systems AG (Gilgen) mit Hauptsitz im bernischen Schwarzenburg hat den Zuschlag zur Mitwirkung an diesem gigantischen Prestigeprojekt erhalten. Für den Abschnitt «Linie 15 Süd» stattet Gilgen 16 Haltestellen mit vollautomatischen Bahnsteigtüren aus. Der Auftragswert beläuft sich auf 42 Millionen Euro.

Das mittelständische Unternehmen verfügt über 60 Jahre Erfahrung in der Antriebs- und Steuerungstechnik für automatische Tür- und Torsysteme. Bei Ausschreibungen punktet Gilgen mit seiner Reputation als verlässlicher und beständiger Partner, der durch qualitativ hochwertige Produkte und Dienstleistungen überzeugt. Dies hat Gilgen schliesslich zum Zuschlag verholfen. Entscheidend sei die beste Bewertung in Technik und Preis gewesen, sagt Robert Hug, stellvertretender Leiter des Bereichs ADP (Automatic Doors for Public Transport).

«Wir verfügen zwar über genügend Liquidität. Ein grosser Teil davon ist so jedoch über die ganze Laufzeit blockiert und fehlt dann für andere Aufträge.»
Robert Hug, Stellvertretender Leiter des Bereichs ADP

Der Käufer diktiert

So erfreulich der Zuschlag ist, so gross sind die Herausforderungen, die dieser Auftrag mit sich bringt: Gilgen muss sich bei einem knapp bemessenen Zeitplan an zahlreiche hoch normierte Anforderungen halten, denn: «Wenn man bei so einem Projekt ein System hat, das nicht funktioniert, ist das eine Katastrophe. Es genügt ein minimaler Defekt und die ganze U-Bahn steht still», weiss Robert Hug aus langjähriger Erfahrung. Der französische Käufer verlangte deshalb eine Erfüllungsgarantie in Höhe von EUR 2,1 Mio. mit einer Laufzeit von 65 Monaten. Bezahlt wird Gilgen in Tranchen gemäss Fortschrittstand. Die letzte Zahlung erfolgt somit ebenfalls in 65 Monaten. Die Verhandlungsmarge bei so einem internationalen Ausschreibungsverfahren liegt bei null. Gilgen verfügt zwar über genügend Liquidität. «Ein grosser Teil davon ist so jedoch über die ganze Laufzeit blockiert und fehlt dann für andere Aufträge», erklärt Herr Hug.

Um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden, hat Gilgen bei der SERV eine Bondgarantie kombiniert mit einer Vertragsgarantieversicherung beantragt. Indem die SERV das Zahlungsrisiko des Exporteurs gegenüber der finanzierenden Bank übernimmt, bleiben seine Kreditlimiten unangetastet. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die bestehende Garantielimite für seine anderen noch laufenden Aufträge vollständig zur Verfügung steht und Gilgen über mehr Flexibilität bei der Vorfinanzierung seiner Geschäfte verfügt. Dank der Unterstützung der SERV stehen Gilgen somit die Türen offen, um auch das nächste Grossprojekt in Angriff zu nehmen.