100 Kilometer Eisenbahn in Ghana mit Schweizer Beteiligung


Für die Sanierung einer Eisenbahnstrecke in Ghana spannt die schwedische Exportkreditagentur EKN im Rahmen einer Rückversicherung mit der SERV zusammen. Dies ist dank einer bedeutenden Lieferung mehrerer Schweizer Unternehmen möglich und bringt Vorteile für alle Projektbeteiligten.

28.01.2022

Ghana ist eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Afrikas. 2021 hat das Land eine Investition von 600 Millionen Euro für die Sanierung und den Ausbau einer 100 Kilometer langen Eisenbahnstrecke im Westen des Landes getätigt. Diese Strecke ist der Schlüssel für den Gütertransport von der Stadt Huni Valley im Landesinneren zum Hafen im südlichen Takoradi und wird dem Land einen weiteren Wirtschaftsschub verleihen. In einer ersten Phase wird die neue Bahnlinie hauptsächlich für den Güterverkehr genutzt; danach soll auch der Personenverkehr schrittweise ausgebaut werden. Das sogenannte Ghana Western Railway Line Projekt ist Teil der Initiative Ghanas, die Infrastruktur des Eisenbahnnetzes auszubauen, die Strecke sicherer und schneller zu machen und gleichzeitig eine umweltfreundliche Alternative zu fossilen Verkehrsträgern zu schaffen.

Für die Umsetzung dieses internationalen Grossprojektes wird ein Käuferkredit im Wert von 523 Millionen Euro über eine Laufzeit von 18 Jahren – inklusive 4 Jahre Bauarbeiten – gesprochen. Hinzu kommt ein ungedeckter Kredit von 75 Millionen Euro für die Anzahlung von 15 Prozent. Lieferanten aus verschiedenen Ländern beteiligen sich am Projekt. Darunter ist auch die Schweizer Molinari Rail AG (Molinari) sowie weitere Schweizer Unterlieferanten. Die Molinari bietet weltweit massgeschneiderte Lösungen für die Schienenfahrzeugindustrie an. Ausserdem unterstützt Molinari Kunden bei der Konzeption und Entwicklung von Fahrzeugen sowie beim Projektmanagement, bei Bauarbeiten, Zulassungen, der Inbetriebnahme, der Instandhaltung und der Modernisierung. Dank einem beträchtlichen Anteil an Schweizer Zulieferungen konnte die SERV 272 Millionen Euro in Form einer Rückversicherung decken.

«Die Rückversicherung der SERV ist eine gute Möglichkeit, uns an Projekten zu beteiligen, bei denen der schwedische Anteil unter dem in unseren Statuten vorgeschriebenen Wertschöpfungsanteil liegt.»
Malin Tegnér Larsen, Senior Underwriter

Ein Set-up, bei dem alle profitieren

Als Generalunternehmer fungiert die Amandi Investment Ltd. (Amandi) mit Sitz in Zypern. Diese hat Mitte 2020 mit dem ghanaischen Käufer einen EPC-Vertrag (Engineering Procurement und Construction) über 500 Millionen Euro abgeschlossen. Aufgrund vergleichbarer Projekte, die Molinari in der Vergangenheit erfolgreich in Zusammenarbeit mit der SERV durchgeführt hat, verfügt das Unternehmen über einen guten Track-Record. Das überzeugte den Generalunternehmer, weshalb er Molinari mit ins Boot holte. CEO Michele Molinari kommentiert: «Mit diesem Projekt können wir zeigen, dass unsere Struktur und die Bündelung mehrerer Unterlieferanten Vorteile für den Generalunternehmer birgt und für die ECA nachhaltig ist. Die Ghana Western Railway Line stellt für uns ein Blueprint-Projekt für künftige Aufträge dar.»

Da der grösste Anteil von schwedischen Zulieferern stammt, versichert die schwedische Exportkreditagentur (ECA) EKN das Projekt. Die Wertschöpfungsanforderungen der EKN erlauben aber keine alleinige Übernahme des Risikos. Deshalb hat die EKN rund die Hälfte des Gesamtvolumens bei der SERV rückversichern lassen. "Dies ist eine gute Möglichkeit, uns an Projekten zu beteiligen, bei denen der schwedische Anteil unter dem in unseren Statuten vorgeschriebenen Wertschöpfungsanteil liegt", erklärt Malin Tegnér Larsen, Senior Underwriter bei EKN.

Obwohl die Deckung primär über die EKN läuft, hat Amandi eine Schweizer Niederlassung mit Sitz in Genf namens Arad Engineering SA gegründet. Dies ist genau im Sinne der Pathfinding-Initiative der SERV. Langfristig kann die SERV so KMU die Möglichkeit geben, sich an Grossprojekten zu beteiligen, zu denen sie ansonsten keinen oder nur schwierig Zugang hätten.